Donnerstag, 18. Dezember 2025

Hoffnungsgeschichte

Unterschätzt...

Vor mehr als zehn Jahren führte ich meinen ersten Stammkurs zum Abitur. 

Wir hatten eine Kurskasse, in die alle Schüler regelmäßig etwas einbezahlten, um die Kosten der Feier, T-Shirts etc. zu decken. Dieses Geld verwaltete ich auf einem Treuhandkonto. Nach dem Abitur baten mich die Schüler zunächst das Geld zu behalten, damit wir im Sommer gemeinsam grillen können. 

Wie das Leben so spielt, wurden die jungen Menschen in alle Winde zerstreut, so dass ich nach dem Sommer beschloss jedem seinen Anteil - immerhin fast 30€ - zu überweisen. Ich schrieb also alle 24 ehemaligen Schüler an und bat um die Kontodaten.

Alle antworteten ziemlich rasch und eine Antwort fiel aus dem Raster. Ein junger Mann antwortete, dass ich das Geld bitte behalten solle, denn in meiner nächsten Klasse gebe es sicherlich mal Familien, die sich einen Wandertag nicht leisten können oder Unterstützung bräuchten. Andernfalls könne ich ja einfach ein Eis mit der Klasse essen gehen. 

Die Antwort überraschte mich in vielerlei Hinsicht: Der Schüler war immer eher von der stillen Sorte und glänzte gerade in der Oberstufe eher durch Abwesenheit, als durch Engagement. Ich hatte viele sozial und politisch engagierte Schüler in der Klasse, aber er gehörte meines Wissens nicht dazu.

Ein paar Jahre später kaufte ich mit einer Klasse von dem Geld Snacks für den Diskoabend auf der Klassenfahrt und erzählte ihnen natürlich auch von dem Spender.   

Dieses Erlebnis stärkt das Vertrauen und die Hoffnung in die Jugendlichen, denn auch wenn es nach außen nicht so scheint, tragen doch viele das Herz am richtigen Fleck und setzen sich – auf ihre Weise- für andere ein.

Eine Hoffnungsgeschichte von Katrin Heil

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