Samstag, 20. Dezember 2025
Hoffnungsgeschichte
Ein erlösender Anruf
Der Sommer 1976 war für mich und meine Familie geprägt durch einen tiefen Einschnitt. Unsere Mutter erhielt kurz nach ihrem 43. Geburtstag die Diagnose Niereninsuffizienz. Es war eine Zeit geprägt von Sprachlosigkeit und Ängsten. Die Verfügbarkeit und der Einsatz von Dialysegeräten waren damals noch sehr begrenzt und es gab kaum Plätze. So begann ein monatelanges Bangen und Hoffen, ja Sehnen nach einem Behandlungsplatz.
Zu Pfingsten war es so weit, es gab einen freien Behandlungsplatz. Von da an wurde sie dreimal die Woche abgeholt zur Blutwäsche. Sie erholte sich. Wir konnten aufatmen. Unser aller Leben orientierte sich an dem neuen Rhythmus.
Nach einigen Jahren wurde sie auf die Liste für Organtransplantation gesetzt. Von nun an stand der Koffer bereit. Die Anspannung: Jeden Tag, zu jeder Zeit konnte ein Anruf kommen: „Die neue Niere ist da.“ Und das zu einer Zeit ohne Handy. Die Festnetznummern der Familienangehörigen waren hinterlegt. Auf weite Ausflüge und Fahrten wurde verzichtet. Immer erreichbar sein!
Endlich, nach 7 Jahren Dialyse, in den frühen Morgenstunden um 4.35 Uhr, kam der erlösende Anruf: „Sind Sie bereit? Wir haben eine Niere für Sie. Das Taxi ist unterwegs.“ Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als meine Mutter mich in der Nacht anrief und mir diese gute Nachricht mitteilte. Auch an ihre Unsicherheit: Soll ich das machen?
Und wieder dieses Ausharren und Hoffen, die Angst, etwas nicht mitzubekommen, möglichst immer in Nähe des Telefons. Kein Handy, sondern an einer festen Stelle im Haus befestigt mit einem kurzen Kabel! Dann am späten Nachmittag die Information: „Das Organ war in Ordnung. Die OP ist gut ausgegangen. Besuch ist nicht möglich, wegen der Infektionsgefahr.“ Und wieder ein Gefühlschaos: Freude, Sorge, Hoffnung. Und viele Fragen. Erst später kam eine große Dankbarkeit an den anonymen Spender.
So konnten wir am 26. Juli 1984 den zweiten Geburtstag unserer Mutter feiern.
Ihr und uns waren noch 25 gemeinsame Jahre geschenkt Dank der Großzügigkeit eines uns unbekannten Menschen.
Das lässt hoffen!
Eine Hoffnungsgeschichte von Gabriele Heinz
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